Vorgespräch
Nicht alle Erkrankungen der Schilddrüse müssen chirurgisch behandelt werden. Sollte bei Ihnen allerdings ein operativer Eingriff angeraten werden, so wird Sie Ihr niedergelassener Schilddrüsenspezialist („Nuklearmediziner“) zu uns überweisen. Nach Vereinbarung eines ambulanten Termins über unser Sekretariat erfolgt dann eine erste Vorstellung in unserem Schilddrüsenzentrum. Im Rahmen dieses Termins erfolgen eine körperliche Untersuchung, die Sichtung der mitgebrachten Untersuchungsbefunde Ihres Schilddrüsenspezialisten und eine Besprechung der vorgeschlagenen operativen Therapie. Sollten wir die Operation empfehlen, erfolgt meistens bereits ein erstes Aufklärungsgespräch zu diesem Eingriff.
Einige Tage vor dem vereinbarten Operationstermin erbeten wir eine erneute, kurze ambulante Vorstellung in unserer zentralen Patientenaufnahme. Hier erfolgen dann eine Blutentnahme, das Narkosegespräch und ggf. weitere apparative Untersuchungen (EKG, Röntgenbild). Abschließende Fragen Ihrerseits können zu diesem Zeitpunkt erneut erörtert werden. Die Schilddrüsenoperation erfolgt ausschließlich in Vollnarkose. Vor jedem operativen Eingriff an der Schilddrüse muss eine HNO-ärztliche Untersuchung der Stimmbänder und des Kehlkopfs erfolgen (sieh unten: „Risiken und Komplikationen“), die im Rahmen dieses ambulanten Vorstellungstermins durchgeführt wird.
Bitte achten Sie gemeinsam mit uns darauf, dass gewisse blutverdünnende Medikamente (Clopidoprel oder Marcumar) nach Möglichkeit wenigstens 5 Tage vor der Schilddrüsen-OP abgesetzt werden. Das Medikament Acetylsalicylsäure („ASS“) braucht nicht abgesetzt zu werden. Manche Medikamente zur Behandlung der Blutzuckererkrankung (Diabetes) sollten ebenfalls mindestens zwei Tage vor dem Eingriff nicht mehr eingenommen werden (zum Beispiel Metformin). Einzelheiten werden wir bei der ersten Vorstellung mit Ihnen besprechen. Zusätzlich sollte der Hausarzt in diese Maßnahmen miteinbezogen werden.
Nutzen Sie gerne das nachfolgende Dokument, um Sie bei der Vorbereitung auf Ihren ärztlichen Termin zu unterstützen: Vorbereitung ärtzlicher Termin KRH Klinikum Robert Koch Gehrden
Krankenhausaufenthalt
Am Operationstag werden Sie im Regelfall morgens um 6:45 Uhr auf der Station 32 erwartet. Im Laufe des Tages wird dann die Operation durchgeführt.
Nach einem kurzen Aufenthalt in unserem Aufwachraum werden Sie dann noch am selben Tag wieder auf der Normalstation eintreffen. Sie können normalerweise bereits am Abend wieder essen und trinken.
Am Folgetag erfolgt eine morgendliche Blutabnahme sowie eine Nacken- und Schultermassage. Sie können das Bett im Regelfall ohne größere Einschränkungen verlassen. Eine Wunddrainage wird im Regelfall nicht eingelegt. In Ausnahmefällen kann dies allerdings der Fall sein, wobei sie dann am ersten oder zweiten Tag nach der Operation entfernt wird.
Üblicherweise verlassen Sie das Krankenhaus am zweiten oder dritten Tag nach der Operation. Vor der Entlassung erfolgt eine weitere Blutabnahme zur Kontrolle des Kalzium-Wertes im Blut (siehe unten: „Risiken und Komplikationen“). Sollte eine Störung der Nebenschilddrüsenfunktion nach der Operation eintreten, kann Ihr Aufenthalt sich verlängern.
Die HNO-ärztliche Kontrolluntersuchung zur Beurteilung der Stimmbandfunktion wird ebenfalls im stationären Verlauf durchgeführt. Dies dient der Feststellung und Dokumentation einer einwandfreien Funktion der Stimmbandnerven nach der Operation (siehe unten: „Risiken und Komplikationen“).
Am Entlassungstag können Sie das Schilddrüsenzentrum üblicherweise zwischen ca. 9:00 und 11:00 Uhr verlassen.
Nach der Entlassung
In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Schilddrüsen-OP sollten Sie schwere körperliche Belastungen unterlassen. Für ein paar Tage sollten Sie Ihren Kopf nicht übermäßig rückwärts überstrecken sowie sich nicht bücken. Duschen nach der Operation ist erlaubt, allerdings sollten in den ersten Tagen die Pflasterstreifen mit kalter Föhnluft getrocknet werden.
Die Entfernung des Hautfadens zum Wundverschluss sollte sieben Tage nach der Operation erfolgen. Hierzu stellen Sie sich bitte noch einmal kurz in unserer Zentralen Patientenaufnahme (ZPA, ohne Terminabsprache täglich zwischen 14:00 und 15:00 Uhr) oder nach Terminabsprache in unserer Sprechstunde vor.
In den ersten sechs Wochen sollte der Saunabesuch unterbleiben, mindestens für drei Monate sollte die direkte Sonnenbestrahlung (auch Solarium) der frischen Wunde vermeiden werden. Ab der ersten Woche nach der Operation ist eine leichte Klopfmassage der Narbe mit Hautcreme empfehlenswert.
Innerhalb der ersten zwei Wochen nach Beendigung des Klinikaufenthaltes sollte eine erneute Vorstellung bei Ihrem Schilddrüsenspezialisten vereinbart werden.
Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse, unter Umständen auch nach Teilentfernungen, kommt es zu einem Abfall des Schilddrüsenhormons im Blut. Die Hormonversorgung ist allerdings lebensnotwendig und muss daher durch die Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten sichergestellt werden. Sie werden diese Tabletten in niedriger Dosierung bereits unmittelbar nach der Operation durch uns erhalten. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus muss dieses Medikament durch Ihren Hausarzt verschrieben werden. Die endgültige und individuell unterschiedliche Dosisanpassung erfolgt dann im Regelfall durch Ihren Schilddrüsenspezialisten. Zumindest nach kompletter Entfernung der Schilddrüse muss diese Tabletteneinnahme lebenslang erfolgen. Empfehlenswert ist die Tabletteneinnahme zirka 20 Minuten vor dem Frühstück.
Nach der Operation von bösartigen Schilddrüsenveränderungen kann eine zusätzliche Therapie, meist in Form der sogenannten Radiojod-Therapie, notwendig werden. Die weitere Betreuung diesbezüglich erfolgt in der Mehrzahl der Fälle durch den vorbehandelnden Nuklearmediziner. Gerne stehen aber auch wir für die Organisation Ihrer weiteren Behandlung zur Verfügung.
Risiken und Komplikationen
Wir setzen in unserem Zentrum alle modernen Verfahren der Schilddrüsenchirurgie ein. So erfolgt die Operation unter anderem unter Verwendung einer Lupenbrille sowie eines elektrischen Stimulationssystems zur Identifizierung und Funktionskontrolle des unten beschriebenen Nervens zur Versorgung der Kehlkopfmuskulatur (sogenannter „Nervus laryngeus recurrens“). Trotz solcher Maßnahmen und unserer langjährigen und umfangreichen Erfahrung auf dem Gebiet der Schilddrüsenchirurgie können Komplikationen in seltenen Fällen auftreten.
Kurzzeitige Stimmveränderungen sowie mäßige Weichteilschmerzen im Halsbereich sind aufgrund der Vollnarkose mit Einführen des Beatmungsschlauches sowie der unvermeidlichen Gewebsverletzung im Rahmen der Operation häufig anzutreffen. Sie sind im Regelfall zügig komplett rückläufig.
Bei fehlenden Erkrankungen der Nebenschilddrüsen ist es Ziel einer jeden Schilddrüsenoperation, die normalerweise vier Nebenschilddrüsen sorgfältig zu schonen. Da sie allerdings in unmittelbarer Nachbarschaft hinten an der Schilddrüsenkapsel anliegen, ist eine gelegentliche Verletzung nicht völlig auszuschließen. Dies kann nach der Operation zu einem im Regelfall vorübergehenden Abfall des Kalzium-Spiegels im Blut führen. Unter Umständen verspüren Sie dann Kribbelmissempfindungen im Gesicht und an den Händen. Kalzium-Brausetabletten führen in solchen Fällen zu einem Rückgang der Beschwerden, bis die Nebenschilddrüsen nach einiger Zeit in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ihre vollständige Funktion wieder aufnehmen. In dieser Zeit wird oftmals auch mit Magnesium- und Vitamin-D-Tabletten behandelt.
Der Nerv zur Versorgung der Kehlkopfmuskulatur liegt beidseits in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schilddrüse. In seltenen Fällen kann er im Rahmen der Operation verletzt werden. Solche Verletzungen können zu Heiserkeit und Veränderungen der Stimme führen. Die meisten dieser Veränderungen bilden sich allerdings wieder vollständig zurück. Bleibende Veränderungen sind eine sehr seltene Ausnahme. Zur Feststellung der Funktion dieses Nervens dient die HNO-ärztliche Untersuchung vor und nach dem Eingriff.
Entzündungen der Wunde, daraus resultierende Wundheilungsstörungen sowie eine kosmetisch unbefriedigende Narbenbildung sind ebenfalls seltene, aber mögliche Komplikationen. Bei Nachblutungen unmittelbar nach der Operation kann manchmal die Notwendigkeit gegeben sein, die Wunde wieder zu eröffnen, um einen Bluterguss zu entfernen und nach einer möglichen Blutungsquelle zu fahnden.